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Alles Sichtbare muss sich steigern und fortsetzen ins Unsichtbare hinein. Dadurch bekommt es die rechte Weihe und rechte Klarheit und wurzelt in den Weltzusammenhängen fest.
Aus dem I Ging

Polaritäten im Horoskop

Die Idee der Polarität als ein Grundgesetz des Lebens ist in der asiatischen Philosophie tief verwurzelt. Im vierten Jahrhundert vor Christus entstanden die Lehren des Taoismus als philosophisches und zugleich religiöses System in China. Lao Tse und ZhuangZi gelten als ihre Begründer. Nach Ansicht der Taoisten bildet der DAO oder TAO den Urgrund allen Seins. Die Lehre von den zwei Grundkräften Yin und Yang, die aus der Einheit des DAO entstehen, gehört ebenso zum Taoismus wie die fünf Elemente und das daraus entstehende System der Wandlungen. Indem die fünf Elemente sich wechselseitig beeinflussen, entstehen acht Trigramme. Die Trigramme können miteinander kombiniert werden und so entstehen 64 Hexagramme, die wiederum im chinesischen Buch der Wandlungen, im I GING, ausführlich beschrieben werden. Damit ist das I Ging mehr als nur ein Orakelbuch, es beschreibt die Wechselwirkungen zwischen Makro- und Mikrokosmos und entspricht in seinen Kerngedanken dem berühmten Panta Rhei (Alles fließt) des Heraklit.

Innerhalb dieser Kosmologie findet der Mensch seinen Platz und seine Aufgabe. Bemerkenswert ist die Einschätzung, dass der Mensch durch seinen Willen und sein Wissen fehlgeleitet werden kann. Deshalb sollte er lernen, die eigene Natur bedingungslos anzunehmen. Dies geschieht durch absichtsloses Nicht-Tun, das sogenannte WUWEI.

Die beiden Grundkräfte des Lebens Yin und Yang lassen sich wie folgt beschreiben: Yin ist Gestalt (also Körper) ohne Bewusstsein und Bewegung, Yang ist Bewusstsein und Energie, hat aber keine Gestalt und benötigt das Yin als Gefäß. Das Leben dauert nur solange, wie Yang das Yin bewegt und Yin dem Yang als Körper zur Verfügung steht; wenn die beiden Ursubstanzen sich trennen, steigt Yang in den Kosmos empor und Yin bleibt als tote Materie auf der Erde zurück.

Einige Schlüsselbegriffe verdeutlichen die Polarität von Yin und Yang.

Yin

weiblich, dunkel, passiv
empfangend, feucht
Mond, Wasser, Wolken
Tiger, Schildkröte, schwarz, der Norden
die geraden Zahlen

Yang

männlich, hell, aktiv
schöpferisch, trocken
Sonne, Feuer
Drachen, rot, der Süden
die ungeraden Zahlen

Unserem westlichen Denken erscheint diese Sichtweise zunächst fremd, da wir es gewohnt sind, das Leben zu meistern, indem wir analysieren, steuern und kontrollieren. Wir eignen uns Wissen an, um Probleme effektiv zu lösen. Wir setzen unsere Willenskraft ein, damit das Leben entlang unserer Ziele gestaltet werden kann. Und die taoistische Haltung des absichtslosen Nicht-Tuns wird leicht verwechselt mit Nichts-Tun, also mit der Unart, Probleme auszusitzen oder sich hängen zu lassen.

Hinzu kommt, dass wir aufgrund unserer Denkgewohnheiten schnell geneigt sind, Yin und Yang als statische Gegensätze zu begreifen. Dabei verkennen wir, dass es gerade die Veränderung ist, die den Kern der asiatischen Lehren bildet. Yin und Yang sind keine feindlichen, sondern polare Kräfte, die einander ergänzen. Die Wandlungszustände, das periodische Anwachsen und Abnehmen von Yin und Yang und deren Zusammenspiel sind Kennzeichen des Lebendigen, das Leben wird als Fluss und permanenter Prozess von Veränderungen erfahren.



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