Nur noch heute bewegt sich die Venus (scheinbar) rückwärts, genau genommen muss man sogar von einer stationären Venus sprechen, bleiben die Planeten doch, kurz bevor sie ihre Bewegungsrichtung ändern, nahezu stehen. Diese Station dauert bei den äußeren Planeten wie Neptun oder Pluto mehrere Wochen, während sie bei den persönlichen Planeten Merkur, Venus und Mars nur ein paar Tage andauert.

Die Retro-Schleifen der Venus bilden in acht Jahren ein Pentagramm
Der Unterschied zwischen den erdnahen und erdferneren Planeten ist also bei der Betrachtung und Deutung von Rückläufigkeit wichtig. Hinzu kommt, dass alle Planeten ab Jupiter sind bis zu fünf Monate im Jahr retrograd sind, während Merkur für zwei Monate pro Jahr den Rückwärtsgang einlegt, die Venus alle anderthalb Jahre für sechs Wochen und der Mars in zwei Jahren für gut zwei Monate. Die Wahrscheinlichkeit, einen Uranus oder Saturn rückläufig im Horoskop vorzufinden, ist also relativ hoch, während die Position eines Merkur, einer Venus oder eines Mars im Rückwärtsgang naturgemäß viel seltener vorkommt.
Als in der letzten Übungsgruppe der Wunsch geäußert wurde, das Phänomen der Retro-Planeten genauer anzuschauen, habe ich spaßeshalber meine Astrologos-VIP-Datenbank mit ca. 450 Datensätzen durchsucht, darunter fanden sich 14 Personen mit Merkur R, 3 Personen mit Venus R und 2 Personen mit Mars R.
Bemerkenswert ist deshalb das Horoskop von Friedrich Alfred Krupp, sowohl Venus als auch Mars sind in der Rückwärtsbewegung, beide werden zudem noch durch Neptun aspektiert. Und da letztens im ZDF ein Dreiteiler über die Familie Krupp zu sehen war, bot es sich an, dieses Horoskop als Fallbeispiel für die Deutung von rückläufigen, persönlichen Planeten zu nehmen.
Friedrich Alfred Krupp, 17. Februar 1854, 6.00 Uhr (LMT), Essen
Datenquelle: Datenbank des Freiburger Forschungszentrums
Friedrich Alfred ist der Sohn von Alfred Krupp, der als eigentlicher Begründer des Krupp-Konzerns gelten kann. 1887 erbte Friedrich die erfolgreiche Firma, die unter der Leitung seines Vaters mit der Produktion von Eisenbahnreifen und Kanonen zum größten Industrieunternehmen. Europas herangewachsen war. Obgleich er als Unternehmer erfolgreich war und mit damals vorbildhaften Sozialleistungen seine Arbeiter an das Unternehmen binden konnte, galt seine Liebe nicht den marsischen Energien von Eisen und Stahl, sondern vielmehr der Meeresbiologie und der Erforschung des Lebens unter Wasser. Er verbrachte seine Urlaube auf der Insel Capri und es gab Gerüchte von wilden Festen, die er in einer Höhle auf Capri mit jungen Männern gefeiert haben soll. Nachdem die sozialdemokratische Zeitschrift “Vorwärts” Friedrich Krupp im November 1902 als homosexuell outete, verstarb der Großindustrielle eine Woche später, auf dem Stammsitz der Familie Krupp, der Villa Hügel in Essen.