Der Roman Illuminati von Dan Brown mixt auf geschickte Weise Fakten und Fiktion. Das CERN am Genfer See, die geheimen Bibliotheken des Vatikan und die Stadt Rom sind Schauplätze des Geschehens.

Die Engelsburg in Rom Bildquelle: Wikipedia
Der Held, ein Symbologe aus den USA, muss sich in Rom auf den Weg der Erleuchtung machen, nicht um selbige zu erlangen, sondern um weitere Morde zu verhindern. Denn der Autor schickt unseren Helden auf eine wüste Schnitzeljagd, Antimaterie wurde am CERN in Genf gestohlen, der Papst ermordet und der Attentäter bringt stündlich weitere Kardinäle um und droht den gesamten Vatikan in die Luft sprengen. Dahinter steckt der Geheimbund der Illuminaten, der sich seit vierhundert Jahren an Rom rächen möchte. Soviel zum Plot, der grad im Kino mit Tom Hanks als Symbolforscher Robert Langdon zu sehen ist (gutgemachtes Popcornkino ohne Atempause und wenig aussagekräftiger weiblicher Hauptrolle).
Das Buch ist unterhaltsame Urlaubsliteratur, trivial in jedem Fall, aber die Verbindung von Fakten und Fiktion macht Spaß. So spielen Galileo Galileis Schriften eine zentrale Rolle, denn sie enthalten den ersten wichtigen Hinweis auf den Weg der Erleuchtung. Und tatsächlich hat der berühmte Astronom und Verfechter des heliozentrischen Weltbildes den Dialogo und die Discorsi geschrieben, letztere während der Zeit, als er vom Vatikan unter Arrest gestellt wurde. Und in dieser Zeit besuchte ihn nachweislich John Milton, der englische Dichter und Staatsphilosoph, dessen berühmtes Gedicht Paradise lost allerdings erst 1658 erschien, 16 Jahre nach Galileis Tod.
Die Diagramma della Veritá als Galilei geheimste Arbeit von 1639 und ein Gedicht John Miltons, in den Fußnoten des Diagramma verborgen, sind die Erfindung unseres Bestsellerautors. Und weder Milton noch Galilei waren Illuminati, denn der geheime Bund der Illuminaten wurde erst 1776 von Adam Weishaupt in Ingolstadt gegründet. Und das Symbol der Illuminaten ist die Eule der Minerva – nicht die Pyramide mit dem Auge auf der Rückseite des Ein-Dollar-Scheins, wie vielfach behauptet wird.

Das angebliche Illuminatus-Symbol ist auf der linken Seite des US-Dollars
Minerva ist der römische Name der griechischen Göttin Pallas Athene, die als Kopfgeburt (sie entsprang dem Haupt des Zeus, so erzählt es der Mythos) für Weisheit und die Verstandeskräfte steht. Tatsächlich hatten die Illuminaten das Ziel, die Prinzipien der Aufklärung zu verbreiten, die Monarchie zu bekämpfen und ein Weltbürgertum zu fördern. Goethe und Herder waren Mitglieder des geheimen Bundes.

Pallas Athene thront im Himmel über Berlin-Mitte Foto © Monika Heer
Der Hype und Kult um die Illuminaten inklusive aller Verschwörungstheorien basiert auf einem einzigen Roman, der in den späten Sechzigern erschien und sich wie ein wilder LSD-Trip liest. Es ist die Illuminatus-Trilogie der amerikanischen Pop-Autoren Robert Shea und Robert Anton Wilson. Geschrieben wurde das Kultwerk, als die beiden für den Playboy arbeiteten und unter zahlreichen Leserzuschriften immer wieder skurrile Hinweise auf weltweite Verschwörungen fanden. Die satirisch-gemeinte Abenteuergeschichte enthält zahlreiche Anspielungen und Zitate, Symbole und Mythen der Popkultur werden darin ebenso verarbeitet wie politische Ereignisse oder esoterische Weisheiten. Ich meine, es liegt auf der Hand, dass Dan Brown sich von Shea und Wilson inspirieren ließ.
Heute feiert der Bestseller-Autor übrigens seinen 45. Geburtstag, leider ist seine Geburtszeit nicht bekannt, deshalb ist das Horoskop für 12.00 Uhr berechnet.

Dan Brown, 22. Juni 1964, 12.00 Uhr (EDT), Exeter/NH, USA
Datenquelle: Astrodatabank von Lois Rodden