Heinrich von Kleist Nr. 7

Im Projekt Gutenberg können Sie die Textfassung der Penthesilea lesen. Schon nach wenigen Seiten wird sehr deutlich, worin die Schwierigkeit besteht, Kleists Drama auf die Bühne zu bringen. Insofern kann die Bochumer Inszenierung als absolut gelungen gelten. Thomas Anzenhofer spielt den Achill stimmgewaltig und gleichzeitig zurückgenommen, Lena Schwarz als Penthesilea ist dramatisch und überzeugt mit hundert Prozent Körpereinsatz.

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Thomas Anzenhofer als Achill, Foto: Birgit Hupfeld

Trotzdem sehnt sich der Zuschauer schon in der ersten Hälfte nach einer Pause, die im übrigen ausbleibt. Und das hat definitiv nicht mit einer Langatmigkeit des Stücks zu tun, denn die Handlung entwickelt sich stringent. Auch das sehr karge Bühnenbild in Schwarz- und Grautönen mit seiner Tristesse alleine ist es nicht, das so lähmend wirkt.
Erst bei genauem Hinsehen wird spürbar: Es ist der Kampf der Geschlechter, der sich da so unausweichlich vollzieht und – von den Kostümen abgesehen – keinerlei aktuelle Bezüge herstellt oder etwa Role Models zur Diskussion stellt.
Penthesilea als angeblich stolze Frau und Achill als vermeintlich heldenhafter Mann erscheinen seltsam losgelöst von Raum und Zeit, man mag sich weder positiv noch negativ identifizieren – und bleibt der Handlung fern!

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Penthesilea – Es regnet auf der Bühne, Foto: Birgit Hupfeld

Fast tritt Erleichterung ein, wenn es zum Ende hin endlich von der Decke regnet und die staubtrockene Angelegenheit sich ihrem traurigen Schlusspunkt zuneigt. Mit gemischten Gefühlen verlassen wir die Kammerspiele und freuen uns auf die erfreulich gutsortierte Weinkarte der Speisekammer im Foyer. Der nächste Versuch wird Lessings Emilia Galotti sein und ansonsten ist ja im Herbst wieder Ruhrtriennale – und Claus Peymann schaut in Bochum vorbei.