Schneller als Der Westen

Heute bin ich einmal schneller als die Online-WAZ! Während ich diese Meldung tippe, werden gerade auf einer Pressekonferenz in Essen die Gewinner des Ruhrgebiets-Literaturpreises 2007 bekannt gegeben. Der Förderpreis geht in diesem Jahr an Brigitte Werner, sie erhält den Preis für ihre Kurzgeschichte „Morgenröte“.

Am Freitag, dem 16. November findet die Preisverleihung in Hagen statt und ich freue mich natürlich riesig für Brigitte, die mir erlaubt hat, ihren Merkur im Zeichen Zwillinge im 12. Haus hier zu outen. Als wir vor ein paar Tagen zusammensaßen, kam das Gespräch auf Merkur, der das gesprochene und geschriebene Wort symbolisiert, die Fähigkeit, mit Sprache umzugehen und sich auszudrücken.

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Das Logo von Brigitte Werner

Und was macht ein Merkur im zwölften Haus? Er versucht, Worte zu finden für Erfahrungen, die sich üblicherweise nicht in Worte fassen und mit dem Verstand begreifen lassen. Er malt Bilder mit Worten, schreibt Gedichte, die berühren, und steht immer mindestens mit einem Bein im Reich der blühenden Fantasien, Merkur in 12 hat ein feines Gespür für die Zwischentöne und reagiert sensibel auf die Stimmungen des Gegenübers. So spielt Brigitte Werner seit Jahren mit ihrem Kinder-Theater Pappmobil kleine selbstgeschriebene Stücke und auf ihrer Seite schreibt sie dazu: 

Die Kinder spielen tatsächlich alle Rollen, bis auf meine Hauptrolle der Geschichtenerzählerin (und unauffälligen Assistentin). Sie werden verkleidet und wagen es, unerschrocken und ungeprobt mit mir (und allen Requisiten, die wir brauchen) vor dem Publikum zusammen zu spielen. Und das ist geradezu ein tollkühnes Abenteuer, das für alle sehr mutig ist, und deswegen ist diese Art des Mitspieltheaters EINZIGARTIG! Aber: Es klappt! Immer!

Einer ihrer Gedichtbände trägt den Titel: Aus allen Wolken fallen die Magier. In diesem Band finden Sie zahlreiche Beispiele für einen Merkur im zwölften Haus. Und ein weiteres passendes Gedicht gibt es gleich hier: 


Sei kein Frosch

Sei kein Frosch
sagte Undine
aber der Frosch wollte nicht
ein Prinz sein
so schön so nass in der Sonne auf und unter
den Seerosenblättern das Geflirre
des grünen Libellenperlmutts das große Gesummse
die endlosen Strophen der Bassposaunen der Wind
in den Gräsern und nachts
der Flittermond im gesprenkelten Wasser so nass
so schön
zum Verrecken
wollte er nicht
den Prinz
für sie machen