Wildfüßig nach Ninive

Am Ende fangen die Steine an zu reden
von ihren Einschlüssen
den Spuren der Wandlungen
fest verkörpert was da noch durchschimmert
sich auf Dauer hält
die innere Hitze frühester Gründe
bewohnte Ewigkeit
eingewachsen
so wie es umhertrieb
aus dem ersten Schlamm
in manchen Augen kann man sie noch sehen
die mythische Zeit
(für Feuda, der Schäferin im Rosental)

aus: wildfüßig nach ninive, Dietlind Kintzelmann, Christel Göttert Verlag, 2007

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Das poetische Schau- und Kunstbuch erzählt in deutscher und italienischer Sprache von tiefen Erlebnissen beim Wandern durch Wüsten, über Berge und zu den Menschen, die dort leben. Der Weg führt durch das Loslassen ins nackte Dasein hin zum reichen Erleben der Fülle. Jede Seite ist Poesie und lädt ein zum Verweilen, Nachspüren und selbst Teilhaben. Berührt werden Seelenhäute, die sich während des Lesens auch schälen dürfen. Bilder und Wortfügungen führen hinein in eine universelle Rhythmik, die sich aus der Verbindung von Himmel und Erde ergibt. Ein wunderschönes Buch, nicht nur für die dunklen Tage, ein Geschenk an das Leben.