Tiger in Frankfurt

Ein vorweihnachtlicher Tipp für LeserInnen aus dem Rhein-Main-Gebiet. Das Museum für moderne Kunst am Domplatz in Frankfurt zeigt noch bis 20. Januar 2008 eine sehenswerte Ausstellung der amerikanischen Künstlerin Taryn Simon. 56 perfekt fotografierte Szenen werden mit erläuternden Textpassagen montiert und bieten ungewohnte Einblicke, die beim Betrachter ein durchgängiges Erstaunen und Enträtseln bewirken.

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Der weiße Tiger beispielsweise, mit dem die Ausstellung beworben wird, erscheint auf den ersten Blick als leicht zerknautschtes Kuscheltier. Der Kommentar jedoch enthüllt, dass Kenny aufgrund von Inzucht geistig zurückgeblieben und körperlich extrem stark eingeschränkt ist.
Selektive Inzucht ist in den Vereinigten Staaten eine gängige Praxis zur Züchtung von weißen Tigern, erfährt man beim Weiterlesen. Andere Aufnahmen zeigen eine Freizeitanlage für Todeskandidaten, einen Vorführraum der Scientology-Kirche oder etwa die sichtbar gemachte Strahlung von Atommüll, der verkapselt im Südosten Washingtons eingelagert ist. Es sind Bilder von trügerischer Schönheit, die Geheimnisse öffentlich und das Unheimliche sichtbar machen. 

Zum anschließenden Umschalten auf die Leichtigkeit des Daseins empfehle ich das Weihnachtsprogramm des Tigerpalast-Varieté. Ist aber ein nicht gerade billiges Vergnügen.

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Ich wurde freundlicherweise eingeladen und möchte deshalb hier noch ein ganz herzliches Dankeschön an meine liebenswürdigen Gastgeber loswerden.