Pioniere der Astrologie

Ein erstes großes und wichtiges Standardwerk der psychologischen Astrologie ist Dane Rudhyars „Astrologie der Persönlichkeit“, das 1936 erscheint. Dane Rudhyar deutet in diesem Buch erstmals die astrologischen Symbole im Kontext der Psychologie C.G. Jungs.

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Sein Deutungsansatz beinhaltet, dass es immer mehrere Aussage-Ebenen gibt und dass eine konkrete Ereignisprognose auf der Basis des Horoskops nicht möglich ist. Rudhyar verwendet auch als einer der ersten Astrologen den Begriff der Ganzheitlichkeit. Das Horoskop ist für ihn ein Mandala im Jung`schen Sinne und ein Hilfsmittel zur persönlichen Individuation. Er spricht von einer transpersonalen Astrologie und meint damit einen Kontext, der die Persönlichkeit überschreitet und sie in ein größeres Ganzes einbettet. Hierbei spielen wohl seine Erfahrungen mit den okkulten Lehren der Theosophie eine wichtige Rolle.

1920 begegnet er Bahman Pestonji Wadia, der gemeinsam mit Annie Besant einen Zweig der theosophischen Gesellschaft in der Nähe von Hollywood leitet. Wenig später lernt er Alice Bailey kennen, die seine ersten astrologischen Bücher in ihrem Verlag „Lucis Publishing Company“ herausgeben sollte. Alice Bailey ist seit 1919 Chefredakteurin der theosophischen Zeitschift „The Messenger“. 1923 gründet sie ihre eigene Gesellschaft, die Arkan-Schule, die bis heute besteht. Bruno und Louise Huber, die Begründer der Astrologischen Psychologie, haben übrigens in den fünfziger Jahren den Genfer Zweig der Arkan-Schule neu aufgebaut.

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Dane Rudhyar, 23. März 1895, 0.42 Uhr (LMT), Paris, F
Datenquelle: Lois Roddens Astrodatabank mit einem A-Rating

Neben der starken Feuerbetonung im Horoskop ist vor allem die Stellung der Planeten jenseits von Saturn bemerkenswert. Neptun und Pluto stehen nahe beieinander, von 1890 bis Mitte 1895 bewegen sich die beiden äußeren Planeten im Gradbereich von 4 bis 17 Grad Zwillinge ständig in einer mehr oder weniger engen Konjunktion. In den darauffolgenden Jahren läuft Saturn im Skorpion zügig auf Uranus zu. Ab Ende 1896 bildet er eine mehrfache Konjunktion mit Uranus, die sich auf den letzten zehn Graden im Zeichen Skorpion ereignet.

Möglicherweise ist dieser Zeitraum des Fin de Siècle auch deshalb so reich an Reformversuchen,  avantgardistischen Bewegungen und gleichzeitig tief empfundener gesellschaftlicher Verunsicherung.