Komm zur Ruhr!

Auf den letzten Drücker hat mich vor einer Woche doch noch Merkur im Rückwärtsgang erwischt. Der Rechner ließ sich nicht mehr starten, weil die Halterung des Startknopfs gebrochen war. Mittlerweile ist er repariert, so dass ich mich heute endlich schriftlich über die neue Ruhrpott-Hymne von Herbert Grönemeyer ärgern kann.

1984 erschien Herbert Grönemeyers Album „4630 Bochum“ mit den Hits „Männer“ und „Bochum“. Seitdem hat das Ruhrgebiet einen Kultsong, behaupten zumindest alle Bochumer! Anlässlich der Eröffnungsfeier zur Kulturhauptstadt wurde nun eine neue Hymne bei Grönemeyer in Auftrag gegeben, um das gesamte Ruhrgebiet zu feiern.

Schon im Vorfeld ahnte man Schlimmes und als der Text einen Tag vor der großen Party im Netz zu lesen war, bestätigten sich alle Befürchtungen. Nahezu jedes Klischees ist in fünf Strophen gepackt: wetterfest und schlicht sind sie, die Menschen im Revier, sonnig stur und mit lässigem, starkem Gang bewegen sie sich in der dichtbesiedelten Landschaft, sie lieben den Fußball und üben sich in Solidarität.

Da Herbert Grönemeyer schon lange in London lebt, hat er vermutlich die Veränderungen der letzten zwanzig Jahre nicht mitbekommen. Angeregt durch die IBA Emscherpark sind stillgelegte Zechen und Industrieanlagen zu kulturellen Zentren, Forschungseinrichtungen oder Dienstleistungsbetrieben umgebaut worden. Und schon etwas länger ist mit der Neugründung von Universitäten in Bochum, Essen-Duisburg und Dortmund eine neue Schicht von Bildungsbürgern gewachsen. Nach wie vor präsentiert sich das Ruhrgebiet als „melting pot“, doch Multikulti ist im 21. Jahrhundert nicht mehr von polnischen Zuwanderern geprägt, sondern von Menschen aus vielen Nationen, wie José Manuel Barroso in seiner Rede zur Eröffnung hervorgehoben hat. Ob Grönemeyers hymnischer Lobgesang für dieses neue Revier identitätsstiftend wirkt, darf bezweifelt werden.

Horoskop Herbert Grönemeyer

Herbert Grönemeyer, 12. April 1956, 14.00 (MEZ), Göttingen, D
Datenquelle: Astrodatabank mit einem AA-Rating

Betrachtet man den Zeitpunkt der Uraufführung vor zwei Wochen astrologisch, so ergeben sich einige interessante Aspekte: die vier Steinbockplaneten plus Mondknoten fallen in Grönemeyers 5. Haus und die Sonne des Sängers liegt direkt am MC des Eröffnungszeitpunkts. Der Star bekommt seinen großen Auftritt! Und das war`s dann auch schon.

Bleibt zu hoffen, dass das alte Image vom rußigen Ruhrpott mit den schlichten Malochern, die das Herz auf dem rechten Fleck tragen, mit der Ruhr 2010 zu Grabe getragen wird. Und solange kein besserer Song am Horizont auftaucht, wird die Vereinshymne des VFL Bochum die Ruhrhymne Nummer 1 bleiben.