Skorpionzeit

… und es ist trübe und grau in Bochum!

Venus ist noch rund zwei Wochen rückläufig und wird vom 18. November bis zum Ende des Monats noch einmal direkt durch das Waage-Zeichen wandern. Während sie im Skorpion schwach gestellt ist, kann sie im Zeichen Waage ihre größte Kraft entfalten. Denn dort hat sie ihr Domizil, das heißt, dass sie sich dort zuhause und wohlfühlt, ebenso wie im Zeichen Stier, dem zweiten Zeichen, das sie regiert.

Venus-Darstellung in der frühen Renaissance

In der Renaissance erlebte die Astrologie ihre große Blütezeit. Die Ideale der griechischen Antike wurden wiederbelebt, die Geschichten der griechischen Götter wurden von den Künstlern auf riesigen Ölgemälden erzählt und mit der Erfindung des Buchdrucks konnte astrologisches Wissen verbreitet werden. Eines der schönsten Bücher aus der frühen Renaissance in Oberitalien ist noch von Hand gemalt, es ist die „De Sphaera der Este„.

Die sieben alten Planeten werden als Götter mit ihren Attributen dargestellt, zu ihren Füßen finden sich die Zeichen, die sie regieren. Darunter ist jeweils eine Landschaft mit typisch menschlichen Situationen, die den einzelnen Planetenprinzipien entsprechen.

Im Bild wird die Venus als Göttin der Liebe dargestellt. Ihre Attribute sind ein Spiegel und eine Blume. Links ist das Zeichen Waage zu sehen, hier entwickelt die Venus einen ausgeprägten Sinn für Schönheit und Ästhethik und ein Gefühl für das Gleichgewicht. Sie besitzt die Fähigkeit, eine Balance herzustellen, in sich selbst, aber auch in den zwischenmenschlichen Begegnungen, daher die vielen Paare in der unteren Bildhälfte. Auch der Spiegel kann als Symbol für Partnerschaft gesehen werden. Ich erkenne mich selbst im Spiegel meines Gegenübers. Die Blume in der Hand der Venus und die Frühlingslandschaft verweisen hingegen auf das Zeichen Stier. Stier geht mit der Freude am Irdischen und den sinnlichen Genüssen einher, denn  Stier ist ein Erdzeichen. Die Venus im Stier steht für die Kunst, es sich gutgehen zu lassen. Ars vivendi!

Fünfzehn Jahre später malte Sandro Botticelli seine berühmte Venus als eine sympathische blonde Schönheit, die auf einer Muschel an Land treibt. Botticelli zitiert mit seiner Darstellung den griechischen Mythos von der Geburt der Venus-Aphrodite aus dem Meer. Auch hier erscheint die Venus in einem Kontext mit Blumen und grüner Landschaft, der Aspekt des Wassers tritt aber noch hinzu.

Und von hier aus ist es nur noch ein kleiner Sprung zu Bryan Ferrys neuem Album bzw. dem Cover seines neuen Albums Olympia, das im Übrigen sehr hochgelobt wird – und das ich mir immer noch nicht angehört habe.

Die Venus auf dem Plattencover ist Kate Moss, eine gute Freundin von Bryan Ferrys Sohn. Der selbsternannte Meister des guten Geschmacks hat sie elegant in Szene gesetzt, wie es sich für ein Stellium in der Waage gehört (siehe letzter Blogpost).

Vorbild und Inspiration soll das Gemälde der Olympia von Édouard Manet sein, so berichtete letztens die Kulturzeit, die das neue Album ebenfalls überschwänglich lobte, auch weil – man höre und staune -Brian Eno nach Jahrzehnten wieder mitspielt.

Manet malte seine liegende Venus als Olympia 1863, zeigte sie im Pariser Salon und provozierte damit einen Skandal. Das Gemälde musste während der Laufzeit höher gehängt werden, da wütende Ausstellungsbesucher das Werk mit Spazierstöcken und Regenschirmen attackierten. Warum war dieses Bild seinerzeit ein Skandal? Im Unterschied zu den Renaissance-Darstellungen einer liegenden oder schlummernden Venus blickt die Olympia von Édouard Manet den Betrachter in ihrer Nacktheit direkt und auffordernd an. Sie ist geschmückt und liegt auf ihrem Bett, aber sie schläft nicht. Die Blumen als Venus-Attribute werden ihr von einer schwarzen Dienerin gereicht.

Doch nicht nur das Motiv, auch die flächige Malweise stieß auf Kritik. Man kann jedoch davon ausgehen, dass Manet sein Bild sehr bewusst komponiert hat und dass ihm daran lag, die Darstellung der mythischen Venus in die damalige Zeit zu transportieren. Das Horoskop des Malers zeigt eine Schütze-Venus direkt neben Mars in Haus 4 und im Quadrat zu Saturn, Sonne, Uranus und Jupiter befinden sich im rebellischen Zeichen Wassermann.

Manets Vorbild wiederum war die Venus von Urbino, Tizians berühmtes Gemälde, das heute in den Florenzer Uffizien hängt. Manet fuhr 1850 nach Florenz, um sich das Bild anzuschauen und hat es vor Ort abgemalt.

Beenden möchte ich diese kleine Venus-Galerie gegen den grauen Skorpion-Alltag mit dem wunderbaren Gemälde des vierten Italieners, es ist Giorgio da Castelfranco, auch Giorgione genannt. Giorgine hatte das große Glück, gemeinsam mit Tizian im Venedig zu leben und zu arbeiten. Beide lernten Malerei in der Werkstatt von Giovanni Bellini.

Die schlummernde Venus von Giorgione entstand um 1508 und hängt heute in der Dresdener Gemäldegalerie Alte Meister.