Das Horoskop des Marcel Proust

Der sogenannte Proust-Fragebogen ist vermutlich populärer als der berühmte Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“.

Dabei hat Marcel Proust den Fragebogen mit seinen 31 Fragen gar nicht erfunden. Er war halt nur die berühmteste Person, die alle Fragen gleich zweimal beantwortet hat – und seine Antworten sind überliefert. Wer möchte, kann den Fragebogen als eine Art „Stöckchenwerfen“ des 19. Jahrhunderts verstehen, denn damals war es ein beliebtes Gesellschaftsspiel, in den Salons des Fin de Siécle seinen Gästen diese 31 Fragen zu stellen.

Horoskop Marcel Proust

Marcel Proust, 10. Juli 1871, 23.30 Uhr (LMT); Paris, F
Datenquelle: Astrodatabank mit einem AA-Rating

Betrachten wir das Horoskop von Marcel Proust, ist es aber viel spannender, seinen großen Roman zu kennen. Wie der Titel „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ schon verrät, geht es in diesem siebenbändigen Werk um Erinnerungen an eine vergangene Zeit, genau genommen um die verlorenen Erinnerungen an die Kindheit und Jugend und die Versuche, diese versunkenen Erinnerungen des Ich-Erzählers wieder ins Bewusstsein zu heben. Das gelingt im letzten Band dann auch tatsächlich, aber nicht mit der Kraft des Willens, sondern durch unwillkürliche Erinnerungen.

Für die Literaturwissenschaft ist Prousts Werk so bedeutsam, weil seine Schilderungen zutiefst subjektiv sind und subjektive Wahrheiten und Erfahrungen eines Individuums in den Mittelpunkt stellen.

Astrologisch gesehen wird hier zum einen die starke Betonung des Wasser-Elements sichtbar, Neptun steht am AC und schwächt den Widder. Auch der Stier-Mond im ersten Haus trägt seinen Teil zur sensiblen Konstitution des Künstlers bei. Die starke Betonung der unteren Horoskophälfte zeigt eine deutliche Tendenz zur Introversion.

Das Stellium von Sonne, Merkur, Uranus und Jupiter im Krebs in Haus 4 hingegen erklärt das hohe Maß an Subjektivität ebenso wie die Suche des Schriftstellers nach der verlorenen Zeit, denn diese Suche ist nichts anderes als die Frage nach der Herkunft, der Kindheit und der Vergangenheit.

P.S. Wer den Proust-Fragebogen einmal gerne ausfüllen möchte, kann dies im Rahmen eines FAZ-Projektes tun.