Saturn in Schütze

Am Dienstag, den 23. Dezember wechselt Saturn abends kurz vor sechs Uhr ins Zeichen Schütze und bleibt dort bis Ende 2017. Nach rund zwei harten und krassen Jahren im Skorpion findet nun ein wichtiger Wechsel statt. Zwar wandert Saturn im Sommer 2015 von Juni bis September noch einmal zurück in den Skorpion, dennoch kündigt sich mit diesem erstmaligen Eintritt von Saturn in den optimistischen Schützen eine Wende zum Positiven an.

Skorpion-Saturn hat in den letzten zwei Jahren unerbittlich darauf bestanden, in die Tiefen hinabzusteigen und sich mit den Leichen im Keller zu beschäftigen.

Pluto im Steinbock, der in Rezeption zum Skorpi-Saturn steht, verrichtet seinen Job, indem er alle Sicherheiten und Gewohnheiten in Frage stellt. Er sorgt dafür, dass wir all das loslassen, was sich überlebt hat und nicht mehr wirklich trägt. Saturn und Pluto verstärken sich gegenseitig und sorg(t)en so für tiefgreifende Veränderungen. Sie setzen Stirb- und Werdeprozesse in Gang, die häufig unsere ganze Aufmerksamkeit erfordern, auch wenn wir eigentlich gar keine Zeit dafür haben.

Dabei läuft Uranus im Widder gerade durch das sechste von sieben Quadraten zu Pluto. Und Uranus möchte dem Druck von Pluto und Saturn entkommen und neigt deshalb zu unüberlegten Befreiungsschlägen.

Dieses hohe Maß an Spannung und Veränderungsdruck bestimmte vor allem die Jahre von 2012 bis 2014 und wirkt noch bis in den März 2015, wenn sich das Quadrat von Pluto und Uranus ein siebtes und letztes Mal wiederholt. Dann jedoch steht Saturn im Schützen und damit wird Jupiter im Löwen zum Dispositor des Saturn – und nicht mehr länger Pluto im Steinbock.

Saturn Herr der Ringe

Die Schwere des Saturns wiegt zwar noch wie Blei, aber es wachsen ganz allmählich Flügel an den Füßen, die Düsternis des Skorpion-Saturns wird nun aufgehellt, alles wird wieder etwas lichter. Das Feuer des Schützen sorgt für Wärme; Fragen nach dem Sinn des Lebens rücken wieder vermehrt in den Vordergrund, Werte und Moral werden zum Thema.

Da Jupiter sich mehr als die Hälfte des Jahres im Löwen befindet und von dort ein ganze Zeit lang ein Trigon zu Uranus bildet und im Sommer eine zweifache Konjunktion mit der Venus, kann man wohl zu recht von einem Jupiterjahr 2015 sprechen. Vieles gelingt jetzt wie von selbst, man fühlt sich beschwingt und vielleicht zu Großem berufen.

Saturn aber steht im Ingresshoroskop im fünften Haus und zieht die Bremse. Dazu sind fünf Planeten im Steinbock unterwegs, der Reihe nach Sonne, Merkur, Pluto, Venus und Mond. So kommt es, dass Saturn mit seinen Grenzen immer deutlich spürbar bleibt.

Ingress Saturn in Schütze, 23. Dezember 2014, 17.39 Uhr (MEZ), Bochum, D

Er sorgt dafür, dass die Bäume langsam, sehr langsam in den Himmel wachsen, so wie Bäume eben wachsen. Saturn fordert uns auf, Verantwortung zu übernehmen und unsere Vision tagtäglich in kleinen Schritten konkret umzusetzen.

Dabei schaut er ein Stück weit nach innen, wie der nachdenkliche Chronos oben auf dem Foto. Er sitzt dort übrigens mitten auf einem großen Friedhof  im Stadtteil Staglieno, in der Hafenstadt Genua. Und obwohl Saturn der Archetyp des alten Mannes ist, wirkt dieser Chronos gleichzeitig alt und jung, er ist auffallend muskulös und kräftig.

Nur der lange Bart und die nach innen gekehrte Haltung verweisen auf das Eremitenhafte des Saturn. Interessant ist auch, dass dieser Chronos – als Gott der Zeit auf einem Friedhof – lange, mächtige Flügel hat.

Wer möchte, kann darin die Zeichen der Zeit lesen. Unter Saturn in Schütze geht es darum, dass uns Flügel wachsen und wir über uns hinauswachsen, aber ohne jeglichen Größenwahn.
Jacob Jordaens Chronos und Minerva

Es geht darum, an einer Vision festhalten und seine Ziele zu verfolgen und dabei das gelebte Erfahrungswissen zu nutzen, um langsam und in kleinen Schritten vorwärts zu kommen. Das Glück des Tüchtigen ist denjenigen gewiss, die unbeirrt ihre Wege gehen und Visionen in konkrete Projekte umwandeln.

P.S. Das zweite Kunstwerk zeigt Saturn-Kronos, wie er gemeinsam mit Minerva/Athene, der Tochter des Zeus, die Kunst und die Wissenschaft beschützt. Es ist vom flämischen Maler Jacob Jordaens im 17. Jahrhundert gemalt worden, noch ganz unter dem Einfluss der Renaissance. Dieser hat übrigens auch auf ganz entzückende Art und Weise die Kindheit des Jupiter in Szene gesetzt, aber mehr dazu ein anderes Mal.