Astrologie, Heldenreisen und die griechische Mythologie

In der Astrologie-Ausbildung ist ein ganzer Tag dem Motiv der Heldenreise gewidmet. Was ist eine Heldenreise? Und was hat sie mit Astrologie zu tun?

Der Begriff geht zurück auf Joseph Campbell, der die Mythen der Völker ein Leben lang erforscht hat. Wie C.G. Jung entdeckte er, dass es in allen Kulturen Geschichten gibt, die sich in ihrer inhaltlichen Struktur gleichen. In „Der Heros in tausend Gestalten“, 1949 erstmalig erschienen, hat er diese Struktur der Heldenreisen genau beschrieben.

Sonnengott Helios

Aus astrologischer Sicht ist die Reise des Helden eng mit dem Erleben und Erfahren der Sonne im Horoskop verknüpft. Wer die Sonne in sich weckt, wird zum Held und zur Heldin. Hier entsteht die Kraft, das eigene Leben aktiv zu gestalten und zu leuchten.

Der Sonnenweg ist ein Weg der Bewusstwerdung. Unterwegs kämpfen wir immer wieder mit den Nachtseiten des Lebens. Das sind unsere Ängste und Zweifel, die inneren Dämonen, aber auch die Feinde in der Außenwelt.

Die Struktur der Heldenreisen zeigt uns, dass die Geschichten der griechischen Mythologie (und die großen Kinofilme!) eine Dynamik unseres Seelenlebens bebildern. Alles, was uns innerlich bewegt und beschäftigt, kehrt in den Mythen wieder. Deshalb spielen die  Erlebnisse der Planetengötter in den Astrologos-Seminaren eine ganz wichtige Rolle. Denn sie helfen uns, innere Erfahrungen besser zu begreifen und das Horoskop ganzheitlich zu verstehen.

schwab-ibookstore

Oft taucht dann die Frage auf, welche Bücher ich empfehlen kann, um die Mythologie der griechischen Antike kennenzulernen. Robert von Ranke-Graves verdanken wir eine textkritische Ausgabe mit sämtlichen Quellen. Gustav Schwabs „Sagen des klassischen Altertums“ sind gleichwohl die schönste Ausgabe, auch wenn sie 1838-1840 zum ersten Mal erschien.

Wer ein iPad oder iPhone besitzt, kann sich das Buch kostenlos aus dem iBookstore herunterladen. Rund zehn verschiedene Ausgaben zwischen 0,99 und 5,99 Euro sind dort ebenfalls gelistet, die Unterschiede erschließen sich nicht auf den ersten Blick. So ist das mit Texten, deren Urheberrecht verfällt und die gemeinfrei werden.

Allen Lesefreunden, die das Haptische an Büchern so sehr lieben, sei die Insel-Taschenbuchausgabe mit den wunderbaren Zeichnungen von John Flaxmann empfohlen, sie ist immer noch antiquarisch erhältlich.

P.S. die Abbildung oben zeigt Helios, einen der beiden Sonnengötter der Griechen. Während Apollon als olympischer Gott und Bruder von Artemis ein eigenes Heiligtum besaß, ihm war die Orakelstätte zu Delphi geweiht, zog Helios jeden Tag mit seinem Sonnenwagen am Himmel entlang. Anton Raphael Mengs malte ihn ca. 1765 als Personifikation der Mittagsstellung der Sonne.