Gilles Deleuze und das Rhizom

Während meines Studiums habe ich viele Fremdwörter gelernt – und wieder vergessen. Das Rhizom ist eines dieser Worte, die mich bis heute begleiten. Rhizom ist in der Botanik ein Wurzelgeflecht, in der Philosophie des Gilles Deleuze eine anarchistische Form der Wissensorganisation, die er gemeinsam mit seinem Kumpel Félix Guattari bekannt machte.

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Rhizomanie, also die Kunst Rhizome zu bilden und in Rhizomen zu denken, war damals enorm populär. Deleuze und Guattari, oder einfach D&G, verkörperten gemeinsam mit Michel Foucault den Geist der Postmoderne. Theorien wurden mit Hilfe neuer Theorien dekonstruiert. Hierarchisches und dualistisches Denken sollte mit viel Fantasie und Kreativität abgeschafft werden, herrschaftsfreie Räume sollten entstehen.

Das Rhizom als Symbol für diese neue Art des Denkens bildet Wurzeln, aber gänzlich andere Wurzeln als ein Baum. Es bleibt nicht an einem Ort, es wächst an einer Stelle und verschwindet an einer anderen. Es kann verschiedene Formen annehmen, sich verästeln und ausbreiten, aber auch zu Knollen verdichten.

Wer Rhizome bildet, denkt assoziativ und schafft neue Verbindungen. Starre Denkmuster werden gesprengt. Die Neurobiologie mit ihrem Wissen über die 100 Billionen Synapsen im menschlichen Hirn spricht hier von einer Bewusstseinserweiterung.

Aus astrologischer Sicht ist diese neue Art des Denkens über die Welt ein uranisches Denken. In Guattaris Horoskop fällt sofort die Konjunktion von Merkur und Uranus auf. Beide Philosophen haben eine ungewöhnliche Merkurstellung.

In Deleuzes Radix finden wir eine exakte Merkur-Venus-Konjunktion, verbunden mit Jupiter im Schützen. Da schwingt sich jemand auf, neue Horizonte zu erobern. Und das venusische Moment der Poesie ist immer mit an Bord.

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Gilles Deleuze, 18. Januar 1925, 2.45 Uhr (GMT), Paris, FR
Datenquelle: Astrodatabank mit einem AA-Rating

Félix Guattari wurde zu Neumond geboren. Merkur und Uranus stehen in seinem Radix um den Widder-Neumond herum, im zwölften Haus. Der Mond ist bereits ein Grad hinter der Sonne, der Neumond im Sinne eines Impulsgebers hat stattgefunden. Wie der große Meister Döbereiner sagen würde, steigt hier aus den Fluten des Unbewussten ein Impuls empor, der aus den Tälern des Dualen befreien möchte.

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Félix Guattari, 30. April 1930, 6.20 Uhr (GMT), Villeneuve-des-Sablons, FR
Datenquelle: Astrodatabank mit einem AA-Rating

Nun, Guattari war Psychiater und arbeitete in der Anti-Psychiatrie-Bewegung. Er schrieb ein Buch mit dem Titel Anti-Ödipus und wandte sich gegen die Stigmatisierung der Schizophrenie-Erkrankten. Sein Credo: In den wahnhaften Äußerungen und deliziösen Zuständen verbirgt sich eine Wahrheit, die auf unbewusst gebliebene und ausgesperrte Formen der menschlichen Existenz verweist.

Die Merkure dieser beiden klugen Köpfe bilden ein Quadrat, das sich offensichtlich ein einer fruchtbaren Zusammenarbeit manifestiert hat.

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Combin Gilles Deleuze/Félix Guattari, 24. August 1927, 16.23 Uhr (GMT)

Bemerkenswert: im Combinhoroskop der beiden mutiert dieses Merkurquadrat zu einer Merkur-Neptun-Konjunktion im Löwen. Die Sonne steht bereits im Zeichen Jungfrau auf ein Grad, ist aber noch mit Merkur und Neptun verbunden.