Astrokongress, Astrologen-Egos und ein Apoll-Gemälde

Am kommenden Wochenende findet in Bonn der jährliche Astrologenkongress statt. Die astrologische Beratung steht im Mittelpunkt und erfahrene Astrologen und Astrologinnen referieren über unterschiedlichste Aspekte ihrer Arbeit. Ich bin gespannt auf den Vortrag von Ilona Picha-Höberth, die bekannte Märchen auf tiefenpsychologische Weise deutet und in ihre Arbeit mit Horoskopen einbezieht.

Auch der Beitrag von Birgit Lummer hört sich vielversprechend an, sie spricht über die Grenzen der astrologischen Beratung und ihr Vortrag hat den wunderbaren Titel: Die Büchse der Pandora nicht öffnen. Alle Vorträge und das bunte Rahmenprogramm mit Astro-Quiz, Astro-Disco und Astro-Kabarett werden im Kongressflyer ausführlich beschrieben.

Mein Beitrag zum Astrologenkongress ist in diesem Jahr ein zweieinhalbstündiges Seminar mit dem Titel „Das Ego des Astrologen“ und in der Vorbereitung auf diesen Workshop habe ich ein Gemälde von Georg Friedrich Kersting gefunden, das den Titel „Apoll und die Stunden“ trägt.

Apoll oder Apollon ist der Sonnengott im griechischen Olymp und einer der vielen Söhne des Zeus. Er ist der Gott des Lichts und der Heilung, aber auch der Gott der Künste und der Weissagungen. Ihm war das Heiligtum in Delphi geweiht und wir decken hier mal den Mantel des Schweigens über die Art und Weise, wie der Sonnengott die Erdgöttin Gaia besiegte, um diese heilige Stätte der Erdmutter zu übernehmen.

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Die Gestalt am unteren Bildrand, auf die ein Sonnenstrahl Apollons fällt, ist der Künstler selbst. Georg Friedrich Kersting malte dieses Bild 1822 und um zu verstehen, was er darstellen möchte, ist es hilfreich zu wissen, dass Kersting Mitglied einer Freimauerloge mit dem Namen Phoebus Apollo war.

1809 trat er im Alter von 24 Jahren, also zum Zeitpunkt der zweiten Jupiterwiederkehr, in die Geheimgesellschaft ein und malte dieses Bild 13 Jahre später als Dankeschön für die Freundschaft, die er innerhalb seiner Loge erfuhr.

Als Sonnengott ist Apoll ein Sinnbild und Symbol für die Sonne im Horoskop, also für die Kraft des  Bewusstseins und für die Entwicklung von Ich-Kräften. Die Sonne des Künstlers steht auf acht Grad Skorpion und bildet ein Quadrat zu Pluto und Mondknoten im Wassermann.

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Georg Friedrich Kersting, 31. Oktober 1785, 12.00 Uhr (LMT), Güstrow
Datenquelle: Wikipedia, die Geburtszeit ist nicht bekannt

Vermutlich kannte Georg Friedrich Kersting die Problematik von Sonne-Pluto-Aspekten aus eigener Erfahrung: Macht und Ohnmacht, die Angst vor Autorität und der Wunsch, selbst eine Autorität zu sein, Extreme zwischen Gefühlen von Minderwertigkeit und Selbstüberschätzung.

Als Künstler war er längst nicht so erfolgreich wie sein Freund Caspar David Friedrich. Doch als Chef der Maler in der berühmten Meißner Porzellanmanufaktur hatte er ab 1818 ein gutes Einkommen und war sehr angesehen.

Sein Gemälde zeugt davon, dass er die Herausforderungen von Sonne-Pluto wahrlich gemeistert hat. Er malt Apollon zu einem Zeitpunkt, als er in seiner Loge den Status eines Meisters erreicht hat. Und er scheint zu wissen, dass es eine Kraft gibt, die größer als unser Ego ist. Letzten Endes sind es die göttlichen Kräfte (in uns), die zur Erleuchtung und zum geistigen Erwachen führen.