Sonne und Jupiter

Sonne und Jupiter stehen sich morgen Nacht genau gegenüber, sie bilden eine Opposition, wie wir Astrologen sagen. Jupiter wird zuweilen die zweite Sonne genannt. Das hat mit seiner Größe und Masse zu tun. Die Sonne ist als gigantischer Feuerball der Mittelpunkt unseres Planetensystems, um sie herum kreisen die Planeten.

Planetensystem mit Pluto

Auf der maßstabsgetreuen Darstellung wird deutlich, dass Jupiter der größte Planet ist, ein Gasgigant, der gemeinsam mit Saturn 90 Prozent der Masse aller Planeten auf sich vereint.

Als zweite Sonne hat Jupiter mit unserem Selbstvertrauen zu tun, mit der Fähigkeit, souverän und großzügig mit den Wechselfällen des Lebens umzugehen. Eine seiner Hauptfunktionen ist die Sinnstiftung, also zu erkennen, wie Sinn entsteht und dass unsere Lebenserfahrungen, auch die schwierigen Zeiten im Leben, einen sinnvollen Zusammenhang bilden.

Bewusstseinserweiterung und Philosophie sind dabei hilfreich und vielleicht auch das Glück, das Jupiter seit jeher zugesprochen wird. Immerhin zählt er gemeinsam mit Venus zu den Wohltätern der klassischen Astrologie. Dass er eine Neigung zum Übertreiben hat, ist bekannt, doch solange er immer wieder das Gleichgewicht mit Saturn sucht, besteht keine Gefahr.

Was aber passiert, wenn Jupiter der Sonne gegenüber steht? Die Opposition als Aspekt bedeutet üblicherweise, dass zwei Seelen, ach, in meiner Brust wohnen, also dass der Mensch zwischen zwei Polen hin- und hergerissen wird. Das kann sehr schmerzhaft sein, vor allem, wenn sich Planeten gegenüberstehen, die per se gegensätzlich sind, wie etwa Mond und Uranus oder Sonne und Pluto.

Die Opposition von Sonne und Jupiter beschert uns zunächst einmal am nächtlichen Sternenhimmel ein beeindruckendes Schauspiel. Denn sobald die Sonne im Westen untergeht, steigt Jupiter im Osten auf und ist um Mitternacht als hell leuchtender Planet deutlich zu sehen. Und wenn er am Ende der Nacht im Westen unter den Horizont sinkt, geht im Osten die Sonne auf.

Apoll mit Mnemosyne und den MusenSonnengott Apoll mit den neun Musen und Mnemosyne

Jupiter ist in seiner Opposition zur Sonne immer retrograd. Das ist bemerkenswert im Hinblick auf die astrologische Deutung, denn rückläufige Planeten wenden den Blick auf das, was hinter uns liegt, auf die Vergangenheit. Jupiter ist in seiner Rückwärtsbewegung also viel introvertierter und interessiert sich für die Nachtseite des Lebens.

Vielleicht nimmt ihm diese Stellung auch ein Stück weit sein Imponiergehabe, denn eine Schattenseite des Jupiter ist seine Rolle als Großmaul und Angeber. Die Opposition der beiden Planeten spielt sich aktuell auf der Widder-Waage-Achse ab. Die Sonne steht im Widder, Jupiter in der Waage. Wie lässt sich diese Energie produktiv nutzen?

In den letzten drei Monaten, in denen sich Jupiter vorwärts und rückwärts gegenüber von Uranus bewegte, war viel Raum für plötzliche und spontane Impulse, verbunden mit kühnen Plänen für große Projekte. Bereits seit 6. Februar bewegt sich Jupiter im Rückwärtsgang. Doch das Licht der Sonne bringt erst jetzt an den Tag, welche Projekte zu Luftschlössern mutieren und wohlmöglich gar nicht auf die Erde kommen.

Andrerseits wird klar, warum Entwicklungen ins Stocken geraten und an welchen Stellen wir mit uranischen Ideen weit über`s Ziel hinausgeschossen sind. Da Venus zur Zeit ebenfalls rückläufig ist, Saturn gerade stationär wurde und Merkur in wenigen Tagen seine dreiwöchige Retrophase beginnt, sind Geduld und Innehalten angesagt. Wer klug ist, genießt den Frühling und wartet auf bessere Zeiten statt im Hauruck-Verfahren alle Widerstände aus dem Weg räumen zu wollen.

Der Maler Raphael Anton Mengs malte Apollon, den Sohn des Zeus, inmitten der neun Musen, die aus einer Liebschaft von Zeus-Jupiter mit Mnemosyne, der Göttin der Erinnerung entstanden sind. Vielleicht ist jetzt eine gute Zeit, sich zu erinnern und mit vergangenen Erfahrungen zu verbinden. Wenn daraus neun Musen entstehen, hat sich das Warten in jedem Fall gelohnt.