Gedanken und Fragen zum Skorpion-Vollmond

Mitten im Leben sind wir im Tod! So lautet der Beginn eines gregorianischen Chorals aus dem achten Jahrhundert. Die Stierzeit ist für viele Menschen die schönste Zeit des Jahres ist. Alles wächst und blüht, die Natur zieht ihr schönstes Kleid an.

Doch all die Schönheit dauert nur kurze Zeit. Schneller als man gucken kann sind die Magnolien verblüht und auch die Kirschblüte ist schon wieder vorbei. Denn alles Irdische ist vergänglich und wenn zum Vollmond in der Stierzeit der Mond genau gegenüber der Sonne steht, werden wir jedes Jahr daran erinnert, dass Leben und Tod unauflösbar miteinander verbunden sind.

Skorpion liegt genau gegenüber vom Stier. Wenn im November in der Skorpionzeit die letzten Blätter von den Bäumen fallen, fällt der Vollmond ins Zeichen Stier. Wir übersehen dann oft, dass sich in der Natur gleichzeitig mit dem Tod das neue Leben schon ankündigt.

So wie wir in der Stierzeit das üppige Leben feiern, um zu vergessen, dass wir sterblich sind, denn alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit. Friedrich Nietzsche, der diese Zeilen schrieb, hatte den Skorpionherrscher Pluto in Opposition zur Sonne. Und er war Skorpion-Aszendent.

Leben und Sterben, beides sind letzten Endes die großen Rätsel des Menschseins. Wer weiß schon wirklich, was passiert, wenn wir sterben? Wohin gehen wir, wenn das Leben aus dem Körper entweicht? Back to Mother Earth? Oder in den Himmel, zurück in den großen Milchteich [1], aus dem heraus die Seelen sich auf die Erde hinunter inkarnieren. Und wer geht überhaupt? Der Geist? Die Seele?

Der heutige Skorpionvollmond zur Walpurgisnacht ist ein guter Zeitpunkt, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen und vielleicht mehr Bewusstsein für die unzähligen kleinen Tode inmitten des Lebens zu entwickeln. Es kann nicht schaden, den Tod zu akzeptieren und zu lernen, ihn als Teil des Lebens anzunehmen, bevor irgendwann für uns alle das letzte Stündlein geschlagen hat.

Anmerkungen:
1 Mit dem großen Milchteich ist natürlich die Milchstraße gemeint.

Bildquelle: Fotos Monika Meer