Utopia – die Landschaft des elften Hauses

Das elfte Haus gilt in der astrologischen Literatur als „Haus der Freunde“. Hier sucht der Mensch Gleichgesinnte, trifft sich mit Kunstfreunden, Gartenliebhaberinnen, Mountainbikern, geht zum Heimspiel des Vfl, ist Mitglied eines Robbie Williams-Fanclubs oder der Karl-May-Gesellschaft.

Vereine, Organisationen, Parteien und Parteigenossen, aber auch gesellschaftliche Utopien sind Angelegenheiten dieses Hauses. Hier ist die Freundschaftsliebe zuhause, die von den alten Griechen Philia genannt und vom Eros abgegrenzt wurde.

In der klassischen Astrologie werden zusätzlich Begriffe wie Wohltat und Hoffnungen angeführt. „Freundschaft, Unterstützung mächtiger Herren, Vertrauen auf die Zukunft sind die wichtigsten Bedeutungen dieses Ortes“ und dieses Haus „galt in der hellenistischen Astrologie als der glücklichste Ort überhaupt.“ [1]

Ein paradiesischer Platz im Horoskop also, das elfte Haus. Doch kann dieses Paradies auf Erden Wirklichkeit werden? Oder ist das elfte Haus ein wirklichkeitsfernes Haus, ein Ort der Träume und für Träumer? Sind Utopien immer nur denk- und nicht lebbar?

Ich möchte Sie in diesem Artikel einladen, einige Schlüsselbegriffe genauer zu betrachten, um dem Glück des elften Hauses auf die Spur zu kommen.

Gruppen und das elfte Haus

Sozialwissenschaftler haben das Phänomen Gruppe genau untersucht. Sie unterscheiden zwischen Kleingruppen mit drei bis ca. 25 Personen und Vereinen wie dem Deutschen Astrologen-Verband, der ungefähr 1000 Mitglieder hat oder Parteien wie der SPD (knapp unter 600.000 Mitgliedern).

Gruppen werden definiert als funktionsfähige Gemeinschaften, die sich über mehr als nur den persönlichen Kontakt konstituieren.

Es geht also um das Miteinander, um Verbunden-Sein, um etwas, das größer ist als der Einzelne. Die persönliche Begegnung oder Bindung ist aber nicht zwingend notwendig.

Das macht Sinn im elften Haus, einem Lufthaus, das sich ja mitten im vierten Quadranten befindet. Und der vierte Quadrant gilt astrologisch wahlweise als Ort, an dem sich Schicksal bildet, als das Überpersönliche, die Gesellschaft (Thomas Ring), als Causa Finalis (Wolfgang Döbereiner) oder schlicht als Sein (API).

In Gruppen können wir erfahren, dass Gemeinsamkeit stark macht, viele Stimmen haben mehr Gewicht als eine einzelne. Ob es dabei um die staatliche Anerkennung des Astrologenberufs geht oder darum, Deutschland nie wieder in einem Krieg zu führen (die pazifistische Gesinnung war bis 1999 ein Eckpfeiler grüner Politik) ist erst einmal unerheblich. In beiden Fällen kann das Ziel mit anderen gemeinsam leichter erreicht werden als alleine. Dass trotzdem in allen Gruppen einige Mitglieder immer „gleicher“ sind als andere, gehört zum Phänomen der Gruppenbildung. Ebenso wie der fromme Wunsch, diese Tatsache möge auf einem Irrtum beruhen.

Astrologisch versierte Leser bemerken hier das Gegenüber des elften Hauses. Es ist der Egozentriker und Individualist, der im fünften Haus um seine Einzigartigkeit weiß. Doch dazu später mehr. Die Gruppendynamik beschreibt solche Phänomene, wirft Fragen auf nach Rollen im Gruppengefüge und nach Interaktionen zwischen einzelnen Rollenspielern. Ein weiterer Untersuchungsgegenstand ist die identitätsstiftende Funktion, die jede Gruppe für ihre Mitglieder hat. Sie kann sich auch in bestimmten Sprachstilen oder anderen Codes ausdrücken.

Insbesondere in der Literatur und Kunst haben sich seit dem Ende des 18. Jahrhunderts viele Gruppen gebildet, vom „Blauen Reiter“ in München über die „Brücke“ in Dresden bis hin zu den Dadaisten, die in Berlin und Zürich nach dem ersten Weltkrieg für Furore sorgten.

Die Avantgardisten der „Wiener Gruppe“

Die „Wiener Gruppe“ ist eine Vereinigung von Literaten, die zu Beginn der fünfziger Jahre in Wien gemeinsam auftrat und bis 1964 bestand. Mitglieder waren Friedrich Achleitner, H.C. Artmann, Konrad Bayer, Gerhard Rühm und Oswald Wiener. In das weitere Umfeld der Wiener Gruppe gehören auch Ernst Jandl und Friederike Mayröcker.

Gemeinsames Anliegen war die Suche nach progressiven Schreibweisen im Wien der Nachkriegszeit. Gleichzeitig lehnte man die konventionelle Literatur selbstverständlich ab.

Anknüpfungspunkte fanden die Wortkünstler im literarischen Expressionismus, im Surrealismus und im Dadaismus.

Ihre theoretischen Impulse kamen aus der Sprachkritik Ludwig Wittgensteins. In ihren Arbeitstreffen setzten sich die Autoren mit dem Material „Sprache“ auseinander, in Lesungen und Happenings präsentierten sie ihre Ergebnisse: provokative Textmontagen, konkrete, akustische und visuelle Poesie, Chansons und Sketche. Der Dialekt wurde vor allem von H.C. Artmann für die Dichtung neu entdeckt. Die künstlerisch konsequente und kompromisslose Arbeit der Autoren und ihre grotesk-makabren Texte führten zu Anfeindung und Isolation. Viele Manuskripte blieben ungedruckt und gingen teilweise sogar verloren. Soviel in aller Kürze zur Geschichte dieses Literatenklubs.

Typische Merkmale von Gruppen sind hier zu beobachten. Gemeinsames Ziel der Wiener Gruppe war die Entwicklung neuer Sprachformen, wobei die gegenseitige Unterstützung die Lernprozesse jedes Einzelnen ungemein beschleunigte. Aus vielen Interviews geht hervor, wie sehr die Diskussionen als fruchtbar und anregend empfunden wurden. Zudem war es viel leichter, gemeinsam eine Öffentlichkeit herzustellen. Die Wiener Gruppe setzte für ihre „PR“ gezielte Provokationen ein und schockte das Publikum durch ihre Happenings, eine dada-ähnliche Weise der Darbietung und nicht zuletzt durch die Inhalte. Wie jede avantgardistische Vereinigung des 20. Jahrhunderts waren Artmann und Co. in ihrem Selbstverständnis der Zeit voraus und gegen jede bürgerliche und auch literarische Konvention gerichtet.

In den Gruppen des elften Hauses geht es also um Ideen und Ideologien, um Konzepte und Gedanken, die mit anderen Menschen geteilt werden. Gruppenbewusstsein entsteht. Und dieses Gruppenbewusstsein ist eine ganz andere Form von Zugehörigkeit als die Geborgenheit im „Schoße der Familie“, die dem vierten Haus zugerechnet wird. Natürlich empfinde ich im elften Haus auch eine Sicherheit, wenn ich die „Schwestern und Brüder im Geiste“ gefunden habe, doch diesen Zusammenhalt habe ich frei gewählt. Und im Unterschied zur Familie kann ich aus der Gruppe oder einem Verein wieder austreten, während Familienzugehörigkeit zwar geleugnet werden kann, aber nicht aufkündbar ist. Wie sagt man so schön: Blut ist dicker als Wasser.

Freunde, Kolleginnen und Gleichgesinnte stärken allein durch ihre bloße Existenz Identität und das Selbstbewusstsein. Das Wissen um Verbündete, die mit mir eine Idee teilen, lässt Kraft und Mut wachsen, auch um die eigene Selbstverwirklichung voranzutreiben. Hier zeigt sich die Polarität des fünften und elften Hauses von ihrer konstruktiven Seite. Während die oben erwähnte Anspielung auf George Orwells Animal Farm eher die Schwierigkeiten auf der Achse 5/11 andeutet.

Die Polarität des elften und fünften Hauses

Kurz zur Erinnerung, die „Farm der Tiere“ wurde von George Orwell 1946 als satirische Parabel auf die russische Okroberrevolution geschrieben. Die Tiere auf der Manor Farm haben die Nase voll davon, dass ihre menschlichen Herren sie ausbeuten. Unter dem alten Keiler Old Major planen sie die Revolution. Doch als Old Major stirbt, übernehmen die beiden Schweine Schneeball und Napoleon die Führung. Gemeinsam gehen die Tiere auf die Barrikaden und vertreiben die Menschen schließlich von der Farm. Doch Napoleon ist seine neue Macht zu Kopf gestiegen. Unter dem Deckmantel der neuen Gleichberechtigung aller Tiere baut Napoleon eine brutale und korrupte Gesellschaft auf. Seine Vorstellung von einem vermeintlich neuen System lautet: Alle Tiere sind gleich, aber einige Tiere sind gleicher als andere….

Ist Gleichheit also eine Vision oder Utopie, die aufgrund der menschlichen Natur nicht realisiert werden kann? Obwohl Gleichheit einer der zentralen Begriffe in der Geschichte der Moderne und Kernpunkt jeder Demokratie ist! Wir finden hier ein Spannungsfeld, das sich mit den Häusern fünf und elf gut beschreiben lässt. Im fünften Haus möchte der Mensch auf kreative Art und Weise seine Wirklichkeit gestalten, Potenziale werden ausgelebt und wenn es mir gelingt, mich selbst erfolgreich auszudrücken, bin ich stolz darauf. Vielleicht werde ich sogar Experte oder Autorität in einem bestimmten Fachgebiet. Das menschliche Ich, das seine Wahlverwandten im elften Haus sucht, trifft in der Gruppe auf andere Vorstellungen. Es kommt zu Auseinandersetzungen, in denen ich einerseits lernen muss, mich zu behaupten, aber auch andere Standpunkte stehen zu lassen. Es geht ja um ein größeres Ziel, das ich mit Freunden oder Gleichgesinnten erreichen möchte, nicht um Rechthaberei.

Vielleicht mutiere ich aber auch zum Anführer einer Gruppe, weil ich mehr als andere weiß. Weil ich meine Meinung besser zum Ausdruck bringen kann! Vielleicht auch nur, weil meine Art der Selbstdarstellung besser ankommt als die eines Konkurrenten? Leithammel, denen die anderen Schafe hinterherlaufen, gibt es nicht nur auf Old Manor, Erfahrungen aus der Geschichte belegen diesen Verlauf. Autorität und Gleichheit müssen aber keinen unauflösbaren Widerspruch bilden. Eine Synthese ist möglich und wie bei allen Achsen im Horoskop geht es auch hier um einen Lernprozess.

In der deutschen Frauenbewegung gab es Ende der achtziger Jahre ein vieldiskutiertes Konzept namens Affidamento. Affidamento wird übersetzt mit wertschaffendem Anvertrauen und bezeichnet ein von Mailänder Philosophinnen entwickeltes Beziehungsmodell. Beziehungen basieren hier auf der gegenseitigen Anerkennung von Ungleichheit. Hierarchien werden also zunächst in einem ersten Schritt akzeptiert. In erster Linie geht es darum, Autorität und vor allem fachliche Autorität als etwas Positives zu sehen, wenn Autorität mit Wissen und Kompetenzen einhergeht. Indem ich einer anderen Person Kompetenz zuschreibe, kann ich von ihr etwas lernen. Im besten Falle entsteht ein gegenseitiges Geben und Nehmen, eine Vernetzung und Förderung. Vertrauen kann wachsen.

Das Modell veranschaulicht einen Lernschritt, der notwendig ist, um Gleichheit und Unterschiedlichkeit als Bereicherung zu erfahren. Ungleichheit kann positiv bejaht, unterschiedliche Potenziale können als Chance begriffen werden. Autorität muss nicht zwangsläufig mit Unterdrückung einhergehen, sie kann Beziehungen bereichern. Menschen können voneinander lernen. Dazu aber scheint es notwendig, dass das fünfte Haus – oder anders ausgedrückt – ein stabiles Selbstbewusstsein entwickelt wird. Gleichheit im elften Haus transportiert dann tatsächlich Hoffnung, Wohltat und Glück.

Utopisches Denken und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft

Deshalb ist Kulturpessimismus im elften Haus nicht angesagt, auch wenn die Geschichte mit Beispielen aufwartet, die den Menschen als intelligentes Raubtier zeichnen. Dass der Mensch dem Menschen ein Wolf sein kann, dass es das „Böse“ gibt in der Welt, muss in Haus 11 nicht geleugnet werden. Doch das Ziel ist ein anderes, es gilt, über sich selbst hinauszuwachsen, den begrenzten Umkreis zu erweitern, es ist „die Erfahrung des Himmels“ [2], die der Mensch erleben kann, es geht um nichts weniger als um visionäre Ideen und Gedanken, die erst noch Wirklichkeit werden wollen. Auch deshalb ist das elfte Haus immer auf das Zukünftige gerichtet.

Zwar bedeutet Utopie wörtlich übersetzt das „Nirgendwo“, doch ohne diesen Ort, an dem eine bessere Zukunft für alle Menschen denkbar ist und ohne die Bereitschaft, sich gemeinsam mit anderen dafür einzusetzen, wäre die Welt tatsächlich ein ganzes Stück ärmer. Oder wie Oscar Wilde 1891 geschrieben hat: “ Eine Weltkarte, in der das Land Utopia nicht verzeichnet ist, verdient keinen Blick, denn sie lässt die eine Küste aus, wo die Menschheit ewig landen wird.“ [3]

Deutungsanregungen für das elfte Haus

Die folgenden Kurzdeutungen sind als Anregung für weitere Forschungen gedacht, verbunden mit dem Wunsch, dass Sie das elfte Haus im Horoskop produktiv und konstruktiv für sich und andere nutzen können.

Sonne in 11

Mit einer Sonne im 11. Haus sucht der Mensch nach Wahlverwandten, um sich selbst zu finden, die eigene Identität zu stärken. Gruppen und kollektive Zusammenhänge sind hier lebensnotwendig, denn im Kreis der Freunde spürt diese Sonne ihr eigenes Licht, ihre Herzenswärme.
Beispiel: die mexikanische Künstlerin Frida Kahlo war lange Zeit Mitglied der Kommunistischen Partei Mexikos und mit vielen Künstlern und Künstlerinnen gut befreundet.

Mond in 11

Überall da, wo Freundschaft gedeiht, fühlt dieser Mond sich wohl, aber es sind eher die geistigen Konzepte, die emotionale Sicherheit bieten, die Wahlfamilie muss keine Kuschelgruppe sein.
Beispiel: Konrad Bayer, der in der Wiener Gruppe seine Autorenheimat fand und neben Oswald Wiener jüngstes Mitglied dieser Literatenvereinigung war.

Merkur in 11

Hier wird das gesamte Repertoire von Sprache eingesetzt, um Freundschaften zu schließen, Utopien werden eifrig diskutiert und Netzwerke zwecks Austausch und Kooperation gegründet.
Beispiel: Käthe Kollwitz, die in den ersten Jahren der Weimarer Republik etliche Plakate für KPD, SPD und humanitäre Organisationen schuf, Themen waren die Bekämpfung der Nachkriegsnot und vor allem die Warnung vor einem neuem Krieg.

Venus in 11

Monogame Beziehungen mit Eifersucht und Besitzansprüchen lehnt diese Venus als spießige und kleinbürgerliche Zweisamkeit ab, Mehrfachbeziehungen und Bindungsängste gehen zuweilen Hand in Hand.
Beispiel: der französische Philosoph und Poststrukturalist Michel Foucault, der 1953 aus der französischen KP austrat, die Parteidoktrin zur Homosexualität war Anlass für seinen Austritt.

Mars in 11

Pionier in einer Gruppe sein, das ist der Job, der Mars gut gefällt. Und natürlich kämpft dieser Mars im elften Haus für höhere Ziele und nicht nur, um seine Egowünsche zu befriedigen. 
Beispiel: Sigmund Freud, dessen Theorien zur frühkindlichen Sexualität gleich eine ganze Bewegung initiierten. Die Psychoanalytiker trafen sich jahrelang regelmäßig zur Mittwochsgesellschaft in Freuds Praxis, Berggasse 19 in Wien.

Jupiter in 11

Hier helfen Bezugsgruppen, den eigenen Horizont zu erweitern, Freundschaften ziehen Wachstum und Expansion nach sich und manchmal vielleicht auch Maßlosigkeit, der Mensch mit Jupiter in 11 kann Mäzen oder Wohltäter einer Gruppe sein.
Beispiel: der Musiker Kurt Cobain, der mit seiner Band Nirvana zu Beginn der neunziger Jahre die Kultfigur der sogenannten Generation X wurde und damit zum Vorbild und Helden avancierte.

Saturn in 11

Freundschaften zu knüpfen, das fällt dem Saturn in 11 nicht leicht. Schließt sich dieser Mensch dennoch einer Gruppe an, ist er derjenige, der notwendige Arbeiten und Pflichten übernimmt, der Regeln propagiert und nicht zuletzt hartnäckig in vielen kleinen Schritten das Ziel zu realisieren sucht.
Beispiel: Pina Bausch, die mit ihrem modernen Tanztheater die Einsamkeit des Einzelnen unter den Vielen auf die Bühne brachte und mit einer Vielzahl von Stücken das Tanztheater revolutionierte.

Uranus in 11

Uranus in seinem eigenen Haus verstärkt die Tendenz, radikale neue Wege zu gehen und mit anderen zusammen neue Ideen in die Welt zu setzen, hier finden wir den Freigeist, der manchmal auch exzentrisch wirken kann.
Beispiel: Franz Marc, der mit der Künstlervereinigung „Blauer Reiter“ neue Maßstäbe für die moderne Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte und eine ungewöhnliche platonische Beziehung zur Dichterin Else Lasker-Schüler pflegte.

Neptun in 11

Menschen mit Neptun in Haus 11 suchen nach Gruppen, die sich für Schwächere einsetzen, Mitgefühl ist hier ein wichtiges Anliegen. Gleichzeitig geht es darum, sich selbst als Teil einer Gruppe nicht mehr so wichtig zu nehmen, Grenzen aufzulösen und sich emotional mit anderen verbunden zu fühlen. 
Beispiel: Dalai Lama, spiritueller Führer und geistiges Oberhaupt des tibetischen Buddhismus, Gottkönig in den Augen seines Volkes, das seit dem Einmarsch der Chinesen in Tibet größtenteils im Exil lebt.

Pluto in 11

Pluto möchte im elften Haus die Frage nach der wahren Natur von Freundschaften stellen und duldet keine Lügen. Es besteht eine Sensibilität für subtile und offene Machtkämpfe, die zuweilen auch von Pluto in 11 angezettelt werden. 
Beispiel: Richard Wagner, dessen zerstrittener Familien-Clan seit über 125 Jahren auf dem Hügel in Bayreuth die bombastischen Opern des Komponisten und die dazugehörigen Machtspiele inszeniert.

Lilith in 11

Lilith als weiblicher Powerplanet setzt sich in Haus 11 für die Rechte von Frauen ein, kämpft für Gleichberechtigung und die Frauenquote. Möglicherweise werden Ansichten hier radikal und kompromisslos geäußert. Frau zeigt mit dem Finger auf die wunden Punkte einer Gesellschaft.
Beispiel: Ulrike Meinhof, politische Autorin, Feministin, Mutter zweier Töchter, Mitgründerin der Roten Armee Fraktion (RAF), wird 1972 verhaftet und 1976 erhängt in ihrer Zelle in Stuttgart-Stammheim aufgefunden.

Chiron in 11

Chiron im elften Haus kann der Außenseiter in einer Gruppe sein, derjenige, der nicht dazugehört, ausgegrenzt wird und dementsprechend leidet. Hier weiß Chiron um die persönlichen Verletzungen, die mit Gruppenidealen und Gruppenzwängen einhergehen können.
Beispiel: Johann Wolfgang von Goethe, der in den „Wahlverwandtschaften“ und der Spätfassung von „Stella“ das Konzept der freien Liebe in Frage stellte. Möglicherweise ist ihm mit zunehmendem Alter der Herzschmerz bewusst geworden, der mit einem Zuviel an Freiheit einhergehen kann?

Mondknoten in 11

Menschen mit Mondknoten im elften Haus haben gemäß der Natur der Mondknoten immer den absteigenden Knoten im fünften Haus und damit die Lebensaufgabe, Themen des fünften und des elften Hauses in ein Gleichgewicht zu bringen. Jede Form von Gruppenaktivität kann hilfreich sein, da sie persönliche Entwicklungsschritte nach sich ziehen wird. 
Beispiel: Günther Netzer und Hella von Sinnen, zwei Egomanen, deren Lebensaufgabe es sein mag, „Mannschaftsspieler“ zu werden.

Anmerkungen

 1 Rafael Gil Brand Lehrbuch der klassischen Astrologie, Mössingen 2000, S. 223
 2 Wolfgang Döbereiner Astrologisch-homöopathische Erfahrungsbilder, Bd. 1, München 1982, S. 25
 3 Brockhaus Enzyklopädie Bd. 23, 19.Auflage, Mannheim 1994, S. 15

Dieser Artikel erschien in einer leicht geänderten Fassung in der 24. Ausgabe der „Astroforum Sternzeit“ im Sommer 2005. Seit dem 31. Mai 2005 ist er auf Astrologos zu lesen.