Horoskope berechnen und der Nullmeridian

Vor einigen Wochen fand in Bochum ein Seminartag zum Berechnen des Horoskops von Hand statt. Ganz ohne Computer, nur mit Ephemeriden und Häusertabellen ausgestattet lernten die Astrologie-Studierenden, wie man die Geburtszeit in Ortszeit umwandelt.

In diesem Kontext wurde der Null-Meridian vorgestellt. Er verläuft mitten durch die Sternwarte von Greenwich, sichtbar als ein breiter Messingstreifen im Innenhof des Royal Observatory. Seit Ende 1999 beleuchtet zusätzlich ein nach Norden gerichteter grüner Laser den Verlauf des Nullmeridians.

Hier wurde 1884 die Null als verbindlicher Längengrad für die allgemeine Zeitmessung definiert, auf einer Konferenz mit 41 Delegierten aus 25 Ländern. Viele Jahrhunderte lang hatte nahezu jeder größere Ort seinen eigenen Nullmeridian.

Erst im 19. Jahrhundert wurde es durch die Erfindung der Eisenbahn notwendig, die Erde in allgemein verbindliche Zeitzonen einzuteilen und die Zeitangaben zu vereinheitlichen. Seitdem beginnt alle 15 Grad westlich und östlich von Greenwich eine neue Zeitzone.

Der Tag beginnt und endet eine Stunde früher (östlich) oder später (westlich). Die Greenwichzeit als fester Bezugspunkt wird deshalb auch Universal Time (UT) oder Greenwich Mean Time (GMT) genannt. Andere Zeitzonen sind etwa Pacific Day Time (PDT, acht Stunden später als die Greenwichzeit/UT) oder die Zeitzone von Moskau (drei Stunden früher als die UT).

Vor zweitausend Jahren jedoch verlief dieser Nullmeridian laut Ptolemäus mitten durch die kanarischen Inseln, die heute ungefähr 15 Grad westlich von Greenwich liegen. In der griechischen Antike war die Meeresenge von Gibraltar, an der Atlantik und das Mittelmeer zusammenstoßen, das Ende der Welt.

Dahinter im äußersten Westen in der Gegend, in der die Sonne unterging, war das Reich der Finsternis, das wahlweise als Elysium oder als Wohnort der Gorgone Medusa beschrieben wurde.

Dorthin musste Herakles reisen und die goldenen Äpfel der Hesperien suchen – und sie zu finden. Zu den Inseln der Glücklichen und Glückseligen, die weit im Westen liegen, zählen die Kanaren, aber auch Madeira und die kapverdischen Inseln.

Anmerkung zu den Bildquellen:
Die Zeichnung mit den Längengraden ist aus der Wikipedia, ebenso die Zeitzonen-Grafik.

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